Gelesen: Rettet das Spiel

Die Autoren des Buches “Rettet das Spiel”, Gerald Hüther und Christoph Quarch kommen zum Schluss: Der Mensch lernt nur wenn er spielt. Wenn er verschiedene Wege ausprobieren kann, Fehler machen und daraus Schlüsse ziehen kann. Er geht noch weiter, diese Art zu lernen ist dem Menschen eigentlich angeboren und wird im Laufe des Lebens abtrainiert. Beginnend mit der Kita Frühförderung und weiter in Schule, Studium, Arbeitsleben.

Das Buch ist eine Reise durch die Geschichte der kulturschaffenden Menscheit, durch Literatur und Philosophie bis hin zu praktischen Analysen der Bedeutung des Spiels in der modernen Gesellschaft.

Für mich persönlich war der Inhalt teilweise etwas zu redundant und zu bekehrend formuliert, vielleicht liegt das aber auch daran das ich der Meinung des Autors zu stark zustimme und eigentlich keine Überzeugung vom Thema brauche. Inspirierend und zugleich zum Nachdenken anregend ist es allemal.

Als Gedanke aus dem Buch bleibt mir darüber zu grübeln, wieviel Potential unserer Gesellschaft verloren geht weil wir uns das Spielen aberziehen.

Cover: Rettet das Spiel

Quelle: Hanser Literaturverlage

Offenheit und Konsequenzen

Ich versuche im Allgemeinen eine Kultur der Offenheit zu leben. Fehler müssen angesprochen werden und Lösungen gefunden werden. Oft genug hat es mich geärgert wenn mir jemand ein Problem nicht oder zu spät kommuniziert hat.

Was ist aber wenn die andere Seite gar nicht offen ist für Veränderung und Dialog? Was wenn die andere Seite Kritik generell abschmettert und in eine Abwehrhaltung übergeht. Was wenn die andere Seite sich in einer Machtposition wähnt oder gar ist?

Vermutlich wird es dann anstrengend, fruchtlos und frustrierend. Für mich persönlich tritt letzteres auch ein wenn ich passiv bleibe, ist also eigentlich keine Option. Was aber wenn die Konsequenz von Offenheit sich nicht an mir sondern an Dritten entlädt?

Wenn ich für einen Kollegen spreche und diesen dann disziplinarische Maßnahmen erwarten? Wenn ich den Nazi-Nachbarn meine Meinung sage und die es dann an meiner Familie auslassen? Ein Lehrer Kritik nicht annimmt und dann seinen Frust besonders an meinen Kindern in Form von schlechten Noten entlädt?

Es frustriert mich, aber in solchen Situationen ertappe ich mich immer wieder dabei mit Risiken und Wahrscheinlichkeiten zu jonglieren. Denn eine Musterlösung habe ich noch nicht gefunden.

Gerade wenn es die Kinder betrifft, denn die können noch nicht einschätzen ob sie bereit sind für mit den Konsequenzen einer gescheiterten Offenheit umzugehen.

Papierwüsten in der Grundschule

Ein Buch in jedem Fach, dazu ein passendes Arbeitsheft warum braucht man denn mehr?

Der Grund warum Kinder im Lauf der ersten zwei Schuljahre einen dicken Aktenordner zum bersten bringen ist mir nicht ganz klar. Hochgerechnet auf die Schultage bekommen meine Kinder jeden Tag zwei bis drei Kopien mit nach Hause. Zu Beginn hatte ich mich schon gewundert das die Kids Schnellhefter brauchen, jetzt ist mir klar wozu.

Kopien in Bunt und Schwarz / Weiß, jeden Tag neu und grundsätzlich nur von einer Seite. Von den Aufgaben wird oft nur ein Teil erledigt, bevor das nächste Arbeitsblatt kommt. Das der Kopierer ganz neue Möglichkeiten schafft und eine große Arbeitserleichterung sein kann ist mir klar, aber nachhaltig ist das auch wieder nicht. Wie der Bauer der die Schweine quälen muss um seine Arbeit nicht zu verlieren.

Vegetarier zwingt Landwirt zum Abriss

Eigentlich sollte dies keine Fortsetzungsgeschichte werden. Aber die Kinder haben an vier Tagen in der Woche Sachunterricht, da geht also noch was ;)

Mit dem kürzlich beschriebenen Ansatz weniger aber gutes Fleisch zu produzieren, anstatt Tiere nicht artgerecht zu halten und mit Gewalt zu mästen konfrontiert nun der Zweitklässler seine Lehrerin um folgende Antwort zu erhalten:

Wie soll das denn gehen, da müsste der Bauer ja seine Ställe abreißen und alles neu bauen.

Genau… Wie kann man nur an Veränderung denken. Stelle man sich das doch mal vor, wenn es keine Massentierhaltung mehr gäbe, da müsste man ja den Lehrplan ändern.

Im Hinterkopf hat man dann zum Beispiel Zahlen vom WWF nach denen der Deutsche jährlich mehr als 60 Kilogramm Fleisch vertilgt.

Quelle: WWF - Fleisch frisst Land

Wie sangen einst die Ärzte zu so unveränderlichem: Es ist nicht deine Schuld…

Vegetarier vernichtet Arbeitsplätze

Szenen einer zweiten Klasse, Sachunterricht zum Thema Landwirtschaft. Die Lehrerin erklärt das ein Schwein nur ein halbes Jahr lebt bevor es geschlachtet wird.

Schüler: Deshalb essen wir zu Hause kein Fleisch.

Lehrerin: Das ist aber nicht gut. Wenn das alle machen hat der Bauer bald keine Arbeit mehr.

Das gute daran, daheim sprechen wir darüber das der Bauer halt statt 1000 Mastschweinen vielleicht lieber nachhaltige Landwirtschaft betreiben könnte und lieber verschiedenes Vieh in kleinerer Zahl langsam wachsen lassen könnte.