Schon vor ein paar Wochen kam ich mit einem guten Kollegen im Gespräch darauf, dass es in Dresden und auch sonst relativ wenig Schulen in freier Trägerschaft gibt, obwohl der Bedarf ja scheinbar da ist. Wir klagen über Lehrermangel, volle Klassen und marode Schulen. Quereinsteiger werden aus den Schulen gemobbt statt integriert und ausgebildet aber neue Schulen mit lockerem Korsett als die öffentlichen Schulen?

Fehlanzeige! Im Gegenteil, wenn ich mir die Stadt Dresden anschaue dann fallen mir gleich zwei abschreckende Beispiele ein in denen viel Engagement blockiert wird:

1) Bereits Geschichte ist die Natur- und Umweltschule seit 2018 hat sie ihre Zulassung verloren und die Kinder wurden an andere Schulen verteilt. Eine Schule, welche die Rückendeckung ihrer Eltern hatte, eine Schule die sich eben anders aufgestellt hatte als die anderen.

2) Als aktuelles Beispiel sei die Kulturwerkschule in Dresden Pieschen genannt, ebenfalls eine Schule in freier Trägerschaft. Sie ringt mit Genehmigungsverfahren und plant ihrer Start am 19. August diesen Jahres. Stand heute ist die Genehmigung noch nicht erteilt, Eltern, Lehrer, zukünftige Schüler warten darauf ob es wirklich los geht. Auch die umliegenden Schulen warten ob sie nun noch mehr Kinder aufnehmen müssen oder nicht. Ich finde das ein Unding und ich kann vollkommen nachvollziehen wie man sich fühlt wenn man nicht weiß was kommt. Entweder es gibt harte Fakten gegen eine neue Schule oder nicht. Wenn ja, dann liegen sie eh schon auf dem Tisch und ob sich ein Konzept langfristig trägt kann heute niemand vorhersagen.

Auch die Universitätsschule Dresden hat eine harte Gründungsphase hinter sich. Eigentlich sollte es schon 2018 losgehen doch umliegende Schulen hatten etwas gegen den neuen Standort. Die Angst ging und geht um das Eltern ihre Kinder lieber auf die neue Schule, mit ihren verrückten Ideen, schicken und engagierte Kollegen dort ihr Glück suchen könnten.

Wir werden aus der Misere nicht herauskommen, ohne auch Experimente zu wagen. Den Lehrermangel können wir nicht allein mit Ausbildung und Verbeamtung kompensieren. Digitalisierung kommt nicht mit ein paar Tablets und WLAN ins Schulgebäude. Veränderte Anforderungen an Methodik können wir nur durch Mut und Experimetierfreude erreichen.

Für Experimente aber braucht es Mut und Vertrauen. Warum sollte das in der Bildung anders sein als in der Arbeitswelt. Wenn ich meine Grenzen überschreiten will muss ich die Komfortzone verlassen und Dinge ausprobieren die nicht funktionieren könnten.

Dabei verstehe ich voll und ganz wenn öffentliche Schulen hier vorsichtig sind. Zwischen den Eltern und der Schule besteht ein einseitiges Dienstleistungsverhältnis. Eltern erwarten das ihre Sprößlinge eine vordefinierte Menge Wissen nach Lehrplan erhalten und danach studieren, ausbilden und arbeiten. Auf den ersten Blick gefährden Experimente diese Gleichsamkeit .

Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, das Bildung durch alle Institutionen gleich ist. Weder braucht jeder das gleiche Wissen, noch ist es der aktuelle Status Quo das jeder das gleiche Wissen in den Schulen erwerben kann oder erwirbt. Es geht also nichts verloren wenn Kinder im Wald multiplizieren, oder gemeinsam Probleme lösen lernen.

Nichts ginge verloren würde der Staat mehr freie Schulen, mit vielfältigeren Konzepten zulassen. Genausowenig würde es Schaden wenn man die Möglichkeit von Homeschooling schafft und Eltern die Chance gibt Kinder gänzlich frei von Schule lernen zu lassen. Freilich wird nicht alles funktionieren aber wenn schon vom Bildungsmarkt gesprochen wird, dann muss man diesem auch den Raum geben sich zu entfalten und sich selbst zu regulieren.

In diesem Sinne drücke ich allen Schulgründern die Daumen!


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