Ich schlendere so durch die Straßen mit ihren schmucken Großstadtreihenhäuschen. Ein kleiner Rasen, eine Terrasse, ein Carport mit Familienkutsche und ein riesiges Wohnzimmerfenster. Es ist diese Zeit, diese Zeit wo es früher dunkel wird weil irgend jemand alle Uhren umgestellt hat und die Leute noch nicht daran denken die Rollläden runter zu kurbeln. Eine schöne Zeit um in die Zimmer der anderen einzudringen und dabei festzustellen - wie wenig Bücher es doch noch gibt.

Kahle Wände mit eintönigen IKEA Motiven, Stereoanlagen mit Boxen die wie Schornsteine in den Raum ragen, Fernseher deren Format mit der Leinwand eines 40er Jahre Kinos mithalten könnte aber keine Bücher. In den Ethanol betriebenen Kaminen lodert der Biodiesel und die weißen Couches sehen aus als würde allein das anschauen Schmutz verursachen. Doch bei all dem Luxus sehe ich keine Bücher.

Und ich schlendere weiter, sehe ins nächste Fenster und es ist das gleiche Bild. Nur um Nuancen verändert. Wo sind die Bücherregale, die breiten alten Rücken die vergilbtes Papier zusammen halten, wo sind die eingerissenen Schutzumschläge die eingeknickten Titelseiten und die alten Schinken die man wieder und wieder gelesen hat. Wo sind die noch frisch verpackten und unberührten Seiten die man gekauft und dann doch nie gelesen hat - die nur darauf warten das man in der richtigen Laune für sie ist.


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