Den Montag und Dienstag verbrachte ich unter mehr oder weniger widrigen Umständen im Weiterbildungspool des ZIH. Grund dafür war der jährliche HTML-Kurs für den Ausbildungsverbund der Sächsischen Staatministerien. Eigentlich sollte man die Organisatoren mal kräftig durchschütteln ist doch HTML etwas das heute eigentlich schon vor einer Ausbildung zum Fachinformatiker bekannt sein sollte, nicht das es so furchtbar wichtig wäre es zu können, es sollte einfach keine Hürde darstellen.

Auf Nachfrage bestätigten mir dann zwei der Delinquenten das sie wohl noch gar nichts mit dem HTML anfangen könnten und sowas auch noch nie gesehen hätten. Also gut, da müssen dann eben alle durch den Urschleim durch. Wie ich dann aber doch feststellen konnte, war das auch gut so, denn auch wenn die Kinderchen schon die eine oder andere grellrote und grüne Seite in der Schule gehackt haben, von sauberem HTML hatten sie durch die Bank weg noch nichts gehört.

Besonders bedeutsam fand ich die zum Teil aufkommende Meinung:

Warum soll ich denn das unbedingt Validieren lassen, meine Homepage ist nur mit Tabellen gemacht und die kann man in jedem Browser anschauen, der Validator sagt aber das die nicht in Ordnung seie. Das ist doch ein Haufen unnützer Arbeit!

Bei einer solchen Einstellung wundert es mich dann mal wieder nicht wenn so viele IT-Projekte den Bach runter gehen und soviele qualifizierte Facharbeiter entlassen werden. Wie dem auch sei ich versuchte mit mittelmäßigem Erfolg an dieser Stelle zu erklären das die Mehrarbeit die man in die Entwicklung einer sauberen Seite steckt auf Dauer auszahlen würde aber Betriebswirtschaftliches Denken wird wohl weder in Staatsministerien noch in Privathaushalten groß geschrieben.

Nach der Abhandlung der wichtigsten HTML Elemente und nachdem dann endlich alle ihre Abschlussübung mit grünem Licht durch den Validator gejagt hatten machte ich mich also an die große Aufgabe den Kindlein CSS näher zu bringen. Hatte ich beim HTML noch das Gefühl stellenweise einfach auf betäubte Ohren zu stoßen, so machte mir hier erschreckender Weise schon das technische Verständnis sorgen. Hauptproblem der Teilnehmer war es das Konzept der Trennung zwischen Design (CSS) und Code (HTML) zu begreifen. Es dauerte zum Teil doch recht lange bis die letzten Tags aus den CSS-Dateien verschwunden waren.

Aber auch hier kämpfte ich auch am zweiten Tag noch gegen den Glauben das man doch alles mit HTML machen könne und doch eine Stylesheetklasse in einer seperaten Datei mehr Arbeit machen würde als das hinzufügen eines bgcolor Attributes in jeder einzelnen HTML Datei. Wenigstens konnte ich alle dazubringen einen einfaches Design ohne Tabellenverwendung zu erstellen. Wobei ich mir hier eingestehen muss das es tatsächlich für einen Anfänger schwer sein dürfte alle Möglichkeiten aus dem Stehgreif zu erfassen und zu verwenden. So reichten die Ansätze vom Einbinden einer Grafik als Hintergrundbild bis hin zu komplex verschachtelten divs. Ich denke hier muss das nächste Mal noch ein wenig mehr erklärt und demonstriert werden.

In Folge der sich am ersten Tag dahinschleppenden HTML-Lektion und den schwierigkeiten mit den Stylesheets kam der Zeitplan leider total ins Wanken und für Barrierefreiheit und die grundlegenden Rechtsgrundlagen blieb nur der Schnelldurchlauf. Ebenso fielen die Übungen in der neuen XML-Lektion unter den Tisch und mit Ausnahme eines einzelnen der schon vorgearbeitet hatte blickten mich nur entgeisterte Augen an. Was mich aber dann doch noch erschütterte war das nur ein einziger der Schüler etwas mit dem Begriff News-Feed anfangen konnte, war ich doch bisher der Meinung das dies eine inzwischen gangbare und weit verbreitete Technik sei.

Wenn ich nun den ausgewerteten Fragebögen glauben darf interessieren sich die meisten wenig für Randinformationen wie die Barrierefreiheit oder die rechtlichen Belange im Netz. Aber das ist ja auch eigentlich nur eine nette Zugabe im Kurs wohingegen es mich schon nachdenklich stimmt wenn da einige Leute meinen das die XML-Lektion mit der verbliebenen Stunde noch zu lang wäre und gekürzt werden solle.

So bleibt mir nur zu hoffen das mein Nachfolger im nächsten Jahr ebenfalls unbeschadet nach zwei Tagen die Tür zum Schulungsraum verschließt nachdem der letzte Rechner abgestürzt ist ;)


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