reapers blog
reaper, 05.02.2010
Also die Menschenkette am 13. soll ja die Altstadt schützen und geht am Altmarkt los, geht über Seestraße, Külz-Ring zur Synagoge. Die Nazis setzt die Stadt an den Neustädter Bahnhof. Was also schützt man hier mit der Menschenkette vor Nazis, die Altstadt? Nein natürlich die Centrum Galerie und die Prager Straße. Ich mein das ist ja auch wichtig den Konsum vor den Faschisten zu schützen, jetzt stell sich mal einer vor diese ganzen Migranten und Andersdenkenden würden ihr Geld nicht ausgeben können.

Was ich noch nicht so ganz verstehe ist warum die Kette nicht am Postplatz startet, da würde man gleich noch die Altmarktgalerie in Sicherheit bringen. Aber die fehlenden 500 Menschen müssen vermutlich an dem Tag eh shoppen und übernehmen dann in der Altmarktgalerie den Guerilla-Krieg falls die Nazis die Lücke im Antifaschistischen Schutzwall entdecken.
tags: antifa dresden racism politics demoreaper, 25.01.2010
Das Hauptargument der Staatsanwaltschaft gegen die geplanten Blockaden der Nazidemo am 13. Februar ist der Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Indem eine genehmigte Demonstration (die der Nazis) behindert wird entsteht ein Straftatbestand ergo ist der Aufruf dazu ein Aufruf zu Straftaten.
Ähnlich argumentiert die bürgerliche Mitte, man schränkt ja quasi die Meinungsfreiheit und das Versammlungsrecht der Nazis ein wenn man ihre Demo an ihrem Startpunkt bindet und somit verhindert. Die Diskussionen dahingehend kochen gern und schnell auf hohen Temperaturen und ich muss zugeben das die Argumente auf rechtlicher, objektiver Sicht nicht von der Hand zu weisen sind.
Es ist das alte Problem mit grenzenloser Toleranz und der Frage ob diese auch Toleranz gegenüber Intoleranz einschließt. Und die Nazis die da in Dresden aufmarschieren haben ein paar ziemlich kranke Vorstellungen was Toleranz angeht. Dazu kommt aus objektiver Sicht die Frage was daran schlecht ist wenn auch Nazis der Opfer der Dresdner Bombennacht gedenken, solange sie nicht sagen das die Juden schuld waren und vergast werden sollen oder unterwegs Dönerbuden anzünden.
Doch geht man jetzt ein wenig ins Detail erkennt man das mit den Nazis ein Haufen Faschisten mit Maulkorb nach Dresden kommen. Hakenkreuze und Siegrunen werden zu geklebt, stilles Marschieren ist angesagt und Banner mit Trauerparolen werden gezeigt.
Aber warum tun sie das, schämen sie sich plötzlich vor ihren perversen Ansichten und eindeutig vorbelasteten Symbolen? Warum aber verbinden sie dann den millionenfachen Mord an Minderheiten mit der indirekt daraus resultierenden Bombardierung Dresdens (Stichwort: Bombenholocaust)?
Diese Nazis die da nach Dresden kommen bekommen ein ganz gezieltes Styling, hübsche Vereinsflaggen, stumme Minen, eben fein auf bürgerlich getrimmt. Auf dem Heimweg dann verdreschen die gleichen lieben Nazis dann Gewerkschafter. Und über das was sie dann veranstalten wenn sie wieder daheim sind will ich hier nicht haltlos fabulieren.
Bei Faschisten und Nazis von Meinungsfreiheit zu sprechen ist wie bei einem Autofahrer der voll trunken eine Gruppe Jogger überfährt von einem Unfall zu sprechen. Meinungsfreiheit ist auch immer mit der Pflicht verbunden die ganze Meinung zu sagen und nicht nur den geduldeten und respektierten Teil.
Der Fehler an der Eingangs erwähnten rechtlichen Sicht auf die Demonstration der Nazis und der Sitzblockaden greift also ins Leere, denn sie betrachtet nur den Augenblick, sie betrachtet nur die Situation nicht zu Zusammenhänge. Wenn es um Nationalismus, Rassismus oder Faschismus und Konsorten ist eine rechtliche Messlatte einfach die Falsche. Einen Neonaziaufmarsch und alles was mit diesem Pack zu tun hat kann man bestenfalls moralisch betrachten.
Und wenn man bei einer moralischen Betrachtung nicht zu dem Schluss kommt das man einen Aufmarsch wie den am 13. Februar verhindern muss, dann kann man sich eigentlich auch schon in diesen Einreihen. Wegschauen und zugucken darf es bei Nazis und Faschisten einfach nicht geben.
Sich in den Weg der Nazidemo zu stellen ist keine Straftat, ist keine Nötigung und kein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit sondern die Pflicht von all denen die sich nicht mit deren verdrehter Meinung identifizieren.
Nachtrag: Die Idee für diese Gedankensammlung fand ich übrigens bei Sven Scholz.
tags: antifa dresden racism politics demo via: www.svenscholz.de...reaper, 16.10.2009
Also der rechten BNP (British National party) wurde jetzt aufgebrummt ihre Satzung zu ändern. Konkret müssen sie einen Paragraphen ändern der Nicht-Weißen die Mitgliedschaft verwehrte. Dabei würde mich doch glatt mal interessieren wie das so bei der NPD ist mit Ausländer- / Frauen- / Behindertenquote. Vielleicht sollten mal mehr Muslime in die NPD eintreten damit die merken das die gar nicht so böse sind. Ich mein aus praktischer Erfahrung lernt man doch am besten, oder?
tags: cynics antifa racism ukreaper, 21.08.2009
... kein Hirn haben und auch sonst überflüssig sind sollte man keine Nazis wählen. Und wem das nicht genug ist der sollte bedenken das man mit der Wahl von NPD Kandidaten auch den Aufbau und die Unterstützung von rechten Gewalttätern befürwortet, dass man damit Fremdenhass und Gewalt gegen Minderheiten unterstützt und schließlich und endlich rechtes Gedankengut legitimiert.
Der kleine Film Keinhirnhasen geht da noch ein Stück weiter und zeigt mit dem Finger auf die Unebenheit unseres Wahlsystems hin, wer nicht wählen geht unterstützt indirekt auch die Nazis. Klingt komisch, ist aber parlamentarische Demokratie, es zählen nur die Stimmen die abgegeben wurden. Und wenn nur die Politiker sich selbst wählen gehen hat eben jeder eine Stimme.
tags: racism antifa politicsreaper, 11.08.2009
Eine sehr sachliche und gut verständliche Arbeit zu einem verdammt ernsten Thema:
Die offizielle Bundesstatistik zählt 28 rechtsextreme Straftaten pro Tag.
Rechtsextremismus und Rassismus sind kein allein deutsches Phänomen. Das Umfeld in dem wir leben ist das, was wir als Erstes gestalten sollten. Die rechtsextreme Szene wächst und verändert ständig ihr Auftreten und Erscheinungsbild. Damit wird es für Außenstehende immer schwieriger, sie zu erkennen.
Hier finden Sie kompakte Informationen über den Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus in einem kleinen Heft anschaulich zusammengefasst. Das Informationsheft »Bitte lesen« ist nicht allumfassend, sondern bietet einen ersten Zugang.
"Bitte lesen" steht zum freien Download bereit und kann weiterverschickt werden. Außerdem ist das Heft als Druckvorlage (für beidseitigen Druck) angelegt und kann von jedem selbst gedruckt, geheftet und vertrieben werden.
reaper, 01.08.2009
So im Urlaub verpasst man ja dann doch so einiges, aber diesen offenen Brief von Prof. Wolfgang Donsbach aus dem Bereich Kommunikationswissenschaften möchte ich dennoch weiterreichen auch wenn er schon eine Weile alt ist:
Offener Brief zum Thema Ausländerfeindlichkeit in Dresden
Dresden - wache auf!
An der Trauerfeier für die ermordete Marwa El Sherbiny am Samstagnachmittag nahmen laut Agenturberichten 1500 Menschen teil. Das ist eine wohlwollende Schätzung. Wahrscheinlich waren es keine 1000, unter ihnen viele ausländische Mitbürger und Organisationen. Die Oberbürgermeisterin hielt es nicht für nötig, wegen dieses Anlasses ihren Urlaub zu unterbrechen. Auch der erste Mann im Freistaat ließ sich durch zwei Minister vertreten. Die mangelhafte Organisation, von der Qualität der Akustik bis zu dem Durcheinander am Ende, als es darum ging, die weißen Rosen abzulegen und sich in das Kondolenzbuch einzutragen, zeigt eines: Dresden hat nicht verstanden, welche Dimension dieses Verbrechen für die Stadt hat und welche Dimension man deshalb seiner Bewältigung zukommen lassen muss. Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert muss man zu Gute halten, dass er in seiner guten Rede das Problem gleich zu Beginn auf den Punkt brachte: Wenn wir der Welt etwas beweisen wollen, dann müssen beim nächsten Mal mehr Menschen kommen.
Die Bilder und Berichte von diesem Verbrechen gehen um die Welt und sie fügen sich ein in ein bereits vorhandenes Urteil über unsere Stadt: dass man als ethnisch anders aussehender Mensch hier nicht sicher ist. Es ist die falsche Strategie, wie es nun manche tun, mit Statistiken gegen dieses Urteil anzugehen. Die Tatsache, dass weniger als ein Promille aller Straftaten einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatte, interessiert - und zwar zu Recht - außerhalb Dresdens keinen Menschen, wenn in hässlicher Regelmäßigkeit Nachrichten über Angriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße in den internationalen Medien auftauchen. Das ist - und das schreibt jemand, für den Statistiken zum Arbeitsalltag gehören - kein Fall für die Statistik, zumindest nicht die Kriminalstatistik.
Andere Zahlen sind hier bedeutender. Ich habe im Winter-Semester 2008/2009 mit meinem Seminar eine Umfrage unter ausländischen Studierenden der TU Dresden durchgeführt. Jeder Dritte sagte, er habe "schon negative Erlebnisse gehabt, bei denen er zum Beispiel wegen seiner Nationalität beschimpft worden ist oder schlimmeres". Bei Studenten aus dem Nahen und Mittleren Osten sind es sogar 50 Prozent. Die Ereignisse, von denen die Studenten berichten, reichen von allgemeinen Beschimpfungen (51 Prozent) bis zur Androhung von Gewalt (13 Prozent) und tatsächlicher Gewaltausübung (6 Prozent).
Wer mit Ausländern näher zu tun hat weiß, dass dies nicht nur Zahlen sind. Bei einem Empfang unterhielten wir uns mit dem jüngsten Konzertmeister der Staatskapelle Dresden, dem Cellisten Isang Enders. Fühlt er sich außerhalb seiner Arbeit in einem weltberühmten Orchester wohl in Dresden? Nein. Um kurze Wege zu haben, wohnt er nahe an seinem Arbeitsplatz. Wenn er Freunde in Dresden besucht, dann nur mit dem Taxi von Tür zu Tür. Sein Problem: Er ist Kind deutsch-koreanischer Eltern und hat Angst auf Grund seines asiatischen Aussehens angegriffen zu werden. Solchen Gefühlen kann man nicht mit der Kriminalstatistik und Wahrscheinlichkeitsrechnungen begegnen. Sie sind real vorhanden und beeinträchtigen das Lebensgefühl. Versetzen wir uns doch einmal in die Lage einer arabischen Studentin, die mit Kopftuch abends in eine dünn besetzte Straßenbahn steigt!
Diese Menschen sind ebenso wie die Medien, die über solche Vorkommnisse reden, Botschafter des Images unserer Stadt. Diese Woche bekommen wir Besuch von einer amerikanischen Freundin. Vor zwei Wochen kam eine Email, ob ich wisse, dass ihre Adoptivtochter schwarz sei und wie gefährlich es auf Dresdens Straßen sei - man höre doch so manches
Dresden, und zwar Stadtverwaltung wie Bürger, hat noch nicht begriffen, was das Thema für die Stadt bedeutet, welchen Schaden es anrichtet und welche Ursachen es hat. Wir haben einen deutlich erkennbaren Sockel an bekennend ausländerfeindlichen Bürgern, eine Mehrheit, der das Thema gleichgültig ist - wie die Trauerfeier wieder gezeigt hat - und ein paar Aufrechte, die etwas ändern wollen. Das ist zu wenig. Im März befragten wir in einer Repräsentativumfrage unter mehr als 500 Dresdnern, welche Nachbarn einem unangenehm wären. Jeder Vierte nennt Türken, 18 Prozent Osteuropäer und 10 Prozent Afrikaner. Ein Drittel der Dresdner hat Sympathien für die Idee, Ausländer wieder nach hause zu schicken, wenn Arbeitsplätze knapp werden, ein Viertel fühlt sich angesichts "der vielen Ausländer" (nebenbei: Dresden hat von allen deutschen Großstädten die wenigsten Ausländer) "wie ein Fremder im eigenen Land". Das ist NPD-Gedankengut bei einem maßgeblichen Teil der Bevölkerung. Dabei muss man bedenken, dass solche Antworten im Interview sogar eher noch positiv verzerrt sind.
Wann wacht die Stadt auf und redet sich das Problem nicht mit dem Hinweis auf Kriminalstatistik und dem russischen Kulturhintergrund des Täters im Falle Marwa schön? Die Stadt diskutiert vorrangig über Veranstaltungskonzepte à la Riesa und die Zukunft des Kulturpalasts, Maßnahmen, die unter dem gegenwärtigen Image Dresdens keinen zusätzlichen Ausländer anlocken werden. Die Einsicht in das Problem, dass es nicht nur um verrückte Einzeltäter, sondern um weit verbreitete Haltungen geht, wäre der erste Schritt zur Lösung.
Dresden, 12.07.2009




