Irgendwie fühl ich mich abgestumpft. Die Nachrichten über Stuttgart 21 sausen an meinen Augen vorbei und ich kann nur mit den Schulter zucken und mich fragen warum darum so ein Getöse gemacht wird.
Egal welches größere Kalkül dahinter steht, ob nun Steinewerfer angelockt oder Bürger verschreckt werden sollen, es handelt sich um eine ganz normale Reaktion. Wir haben uns in eine Herrschaftsform ergebn in der es Normal ist das die Regierung, nicht das Parlament, Gesetze verabschiedet. Unsere Souveränität endet alle paar Jahre beim Urnengang, alles weitergehende Engagement hat sich aufs freiwillige Arschabwischen im Altenheim und das Schmücken des Dorffestes zu konzentrieren.
Während sich die Masse von Hitparaden und Castingshows einlullen lässt produziert man für den zweifelnden Rest Feindbilder aus der Vergangenheit und gibt sich bewusst schockiert über blutende Kinder und erblindete Senioren. Und da frage ich noch gar nicht wie viele von alle dem gar nichts mitbekommen. Brennpunkt? Tageschau-Extra? Lauftext zu aktuellen Lage? Nein für unsre GEZ bekommen wir das Das Quiz der Deutschen. Frage 1: Welche Staatsform hat die Bundesrepublik Deutschland?
Irgendwie wühlt mich das auf, und irgendwie zieht es an mir vorbei wie Schatten im Nebel, als würde ich träumen und ich frage mich ob etwas dran ist an der Theorie vom neuen Deutschen Herbst.
Das ist aber auch deprimierend, das ununterbrochene Kämpfen gegen irgendwas: Nazis, Gentechnik, Globalisierung, Atomkraft, Armut, Rassismus, Stuttgart21, Elena... So cool das Gemeinschaftsgefühl ist, mit den Gutmenschen zu marschieren. Wir marschieren mit den selben Methoden wie die Bösen und müssen in diesem Hase&Igel-Spiel verlieren. Denn wir sind die Hasen: In Leipzig haben die Nazis am 16.10. vier Demos an unterschiedlichen Stellen in der Stadt angemeldet....
Vielleicht hilft ja weiter, was Marshall Rosenberg von Gandhi erzählt: Gandhi hat gesagt, dass Gewaltanwendung für ihn der letzte Ausweg ist, wenn wir wirklich nur diese zwei Alternativen sehen: dem Terror zusehen oder einschreiten. Doch er war davon überzeugt, dass es andere Herangehensweisen gibt, die sehr viel wirkungsvoller sind. Es gibt einen dritten Weg, der machtvoller ist und mit dem man mehr erreicht als mit den beiden ersten Optionen. Gandhi sah es ungern, wenn man ihm nachsagte, er predige die absolute Gewaltfreiheit. Wussten Sie, das dass Wort Gewaltfreiheit gar nicht seine Erfindung war? Man wusste einfach nicht, wie man seine Worte Ahimsa" und Satyagraha" übersetzen sollte. Als Gandhis Ideen im Westen populär wurden, war plötzlich von Gewaltfreiheit die Rede, weil keinem eine stimmige Formulierung für diese wundervollen Worte eingefallen ist. Gandhi meinte damit die Macht, die anfängt zu wachsen, wenn Menschen sich umeinander sorgen. Er hatte die gleiche Vision, die Rumi in seinem Gedicht beschreibt: Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort, dort treffen wir uns." Genau diesen Ort hat Gandhi gemeint, weil er wusste, dass wir stärker sind, wenn wir von diesem Ort kommen. Er hat immer gesagt: Ich bin machthungrig, ich möchte Dinge ändern. Aber für ihn gab es keine bösen Menschen. Er hat daran geglaubt, dass der Wandel in dem Moment beginnt, in dem wir die Schönheit dieser Vision sehen können.
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